Auch in Deutschland kann man eigene Haare verkaufen

Man kennt die Szene aus Musicals, wenn die arme Hauptfigur sich den Kopf kahl rasieren lässt, damit sie ihre eigenen Haare an einen Perückenknüpfer verkaufen kann. Doch es ist nicht immer ein Zeichen von Elend.

Für viele Frauen in der Dritten Welt, insbesondere in Indien, stellt das Verkaufen der eigenen Haare die letzte Möglichkeit dar, die Familie vor dem Verhungern zu retten. Die Haare werden zu Perücken verarbeitet, die andere sich als Haarersatz aufsetzen wollen. Obwohl man von dieser Einkommensquelle meist im Zusammenhang mit Indien hört, sind die Haare von Europäern in der Perückenindustrie wesentlich begehrter. Europäische Haare sind vielfältiger in den Farben und haben eine feinere Struktur. Da die meisten Perücken auch für Europäer gefertigt werden, sehen Echthaarperücken aus europäischen Haaren dem Originalschopf ähnlicher, als indische oder gar afrikanische Modelle. Wer von einer Haarlänge über einem Meter Abschied nehmen möchte, kann daher eine nette Summe für die Haare erhalten.

Je gepflegter die Haare sind, desto leichter findet man auch einen Käufer. Es ist kein Zeichen von Elend, wenn eine Frau aus Deutschland ihre Haare verkauft. Der Wechsel einer Frisur ist hier nichts Ungewöhnliches. Viele Frauen tragen ihre Haare einmal lang und einmal kurz. Hat man sich dafür entschieden, die Haare zugunsten einer Kurzhaarfrisur abzuschneiden, kann man sich den Friseurbesuch durch den Verkauf der Haare finanzieren lassen. Als Einkommensquelle kann der Verkauf der Haare in Deutschland kaum dienen, da das Schneiden der Haare beim Friseur relativ teuer ist. Der Rohstoff für eine handgeknüpfte Perücke darf nicht zu teuer sein, damit die Zweitfrisur auch bezahlbar bleibt.

In Indien, wo Frauen ihre Haare für das Geld hergeben, sieht die Situation anders aus. Die Frauen schneiden sich meist selbst mit einer stumpfen Schere die Haare irgendwie ab, ohne darauf zu achten, wie es später aussieht. Denn in Indien kann eine Frau sich in der Öffentlichkeit ohnehin nicht mit einer Kurzhaarfrisur zeigen. Sie wird den Kopf bedeckt halten, bis die Haare wieder nachgewachsen sind. Zudem sind die Lebenshaltungskosten in den Elendsvierteln so niedrig, dass das Geld für die Haare einem wahren Geldsegen entspricht. In den dort erreichbaren Berufen muss man mehrere Wochen arbeiten, um auf die gleiche Summe zu kommen.

09.07.2010